Grubentuch: Tradition, Verwendung und Pflege

Grubentuch: Tradition, Verwendung und Pflege

Leinenweberei Hoffmann – Manufaktur seit 1905 Du liest Grubentuch: Tradition, Verwendung und Pflege 5 Minuten

Im Ruhrgebiet gehörte das Grubentuch zur Grundausstattung jedes Bergmanns. Es fuhr mit unter Tage, wickelte das Butterbrot ein und wischte am Ende der Schicht den Staub aus dem Gesicht.

Heute liegt das Tuch in Küchen statt in Zechen. Geblieben sind das Karo- oder Streifenmuster, die dunkle Farbe und die Eigenschaft, die es damals unentbehrlich gemacht hat. Das Gewebe nimmt viel Feuchtigkeit auf und trocknet schnell wieder.

Wir weben das Grubentuch in Neukirch in der Oberlausitz, aus Halbleinen mit 55 Prozent Leinen und 45 Prozent Baumwolle.

Woher das Grubentuch kommt

Den Namen gaben ihm die Zechen des Ruhrgebiets. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts webten Betriebe im Münsterland die Tücher millionenfach für die Bergleute, und über die Reviere verbreiteten sie sich im ganzen Land.

Die dunkle Färbung hatte einen praktischen Grund. Kohlestaub lässt sich nicht restlos auswaschen. Auf einem blau-grau oder schwarz-grau karierten Gewebe fällt der Rest, der im Stoff bleibt, schlicht nicht auf. Das kräftige Muster kaschiert außerdem Flecken, die im Alltag dazukommen.

Das klassische Tuch war blau-weiß kariert, daneben gab es rot-weiße Varianten und Ausführungen Ton in Ton, viele davon mit einem schmalen roten Randstreifen. Als Einheitsmaß hat sich 50 × 100 cm eingebürgert, bei einem Gewicht zwischen 200 und 400 Gramm.

Was die Bergleute damit gemacht haben

  • Essen einwickeln. Im Tuch blieb das Brot bis zur Pause vor dem Kohlestaub geschützt.
  • Schweiß und Staub abwischen. Unter Tage war es warm, und das Tuch lag griffbereit um den Hals.
  • Abtrocknen nach der Schicht. In der Waschkaue diente dasselbe Tuch nach dem Duschen als Handtuch.

Warum Halbleinen

Leinen nimmt Feuchtigkeit schnell auf und gibt sie ebenso schnell wieder ab. Ein Tuch mit Leinenanteil ist deshalb auch nach mehreren Runden mit dem Geschirr noch aufnahmefähig, und es trocknet zwischen zwei Einsätzen zügig durch. Die Baumwolle im Gewebe macht das Tuch weicher im Griff, gerade in den ersten Wochen.

Robust ist die Mischung ebenfalls. Die Flachsfaser ist deutlich reißfester als Baumwolle und wird im nassen Zustand sogar noch fester, was einem Tuch entgegenkommt, das im Wesentlichen nass im Einsatz ist.

Reines Leinen wäre die griffigere, sprödere Variante. Worin sich die beiden Materialien im Alltag unterscheiden, haben wir im Vergleich aus der Weberei aufgeschrieben: „Reinleinen oder Halbleinen: Ein ehrlicher Vergleich aus der Weberei".

Wofür das Grubentuch heute gut ist

In Küche und Gastronomie ist es ein Allzweck-Tuch. Als Geschirrtuch fasst es mehr als die üblichen Formate, es trocknet Gläser fusselfrei ab und übernimmt zwischendurch die Arbeitsfläche. Salat lässt sich darin trocken schwenken, Teig darunter abdecken, und zusammengelegt ersetzt das Tuch kurz den Topflappen.

Auch außerhalb der Küche funktioniert es. Viele Kunden nutzen das lange Format als Handtuch für die Hände oder nehmen es mit zum Grillen, wo Flecken keine Rolle spielen.

Ein Teil der Nachfrage hat mit der Küche allerdings wenig zu tun. Das Grubentuch wird häufig verschenkt, an Menschen mit Bezug zum Bergbau, an ehemalige Kumpel und ihre Familien oder als Andenken aus dem Revier. Für diesen Zweck ist es ein Gebrauchsgegenstand mit Geschichte, den man tatsächlich benutzt.

Größen und Preise

Wir fertigen das Grubentuch in drei Größen, jeweils in Dunkelblau kariert und in Dunkelblau gestreift.

  • 50 × 50 cm, 13 €. Das handliche Format für die Küche, vergleichbar mit einem großen Geschirrtuch.
  • 50 × 75 cm, 16 €. Die mittlere Größe, gut zum Abtrocknen größerer Mengen Geschirr.
  • 50 × 100 cm, 20 €. Das klassische Maß der Bergleute und die Größe, die auch als Handtuch taugt.

Wenn Sie ein Grubentuch kaufen möchten, lohnt der Blick auf die Länge. Die 50 × 100 cm kommen dem historischen Vorbild am nächsten, im Küchenalltag greifen die meisten Menschen aber zum kleineren Format.

Ein Grubentuch blau kariert hängt an einem runden weißen Haken an einer schlichten weißen Wand. Ein blau-graues kariertes Küchentuch mit zwei gemusterten Seitenbändern auf weißem Hintergrund.
Traditionelles Grubentuch aus Halbleinen, Dunkelblau kariert
AngebotspreisAb €13,00
Ein Grubentuch blau gestreiftes Küchentuch hängt an einem weißen runden Haken an einer schlichten weißen Wand. Ein quadratisches blaues und graues Leinen-Grubentuch mit vertikalen Streifen und einem dünnen Rand, dargestellt auf einem schlichten weißen Hintergrund.
Traditionelles Grubentuch aus Halbleinen, Dunkelblau gestreift
AngebotspreisAb €13,00

Grubentuch waschen und pflegen

Das Grubentuch ist bis 60 Grad waschbar. Für die dunkle Farbe eignet sich ein Colorwaschmittel ohne Bleiche und ohne optische Aufheller. Auf Weichspüler verzichten Sie besser, er legt sich auf die Fasern und nimmt dem Tuch die Saugkraft.

Zum Trocknen hängen Sie es an die Luft. Das geht bei diesem Gewebe schnell, und der Trockner würde dem Leinenanteil nur schaden. In den ersten Wäschen zieht sich der Stoff etwas zusammen, danach bleibt das Maß stabil. Bügeln können Sie bei hoher Temperatur, am besten solange das Tuch noch leicht feucht ist. Ausführliche Hinweise finden Sie in unserem Pflegebeitrag: „Leinen waschen: So pflegen Sie Ihre Leinenprodukte richtig".

Gewebt in der Oberlausitz

Made in Germany ist beim Grubentuch keine Selbstverständlichkeit, die meisten Tücher am Markt kommen aus dem Ausland. Wir weben unsere Tücher in Neukirch auf mechanischen Webstühlen, in Leinwandbindung, mit einem Flächengewicht von etwa 200 bis 220 g/m². Genäht werden sie im selben Haus.

Eine Übersicht unseres Sortiments finden Sie im Online-Shop. Wer den Stoff vor dem Kauf in der Hand halten möchte, kann eine Stoffprobe bestellen.


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