Mechanischer Webstuhl zum Weben von Leinenstoff mit Garnrollen daneben

Leinenweberei Hoffmann – Manufaktur seit 1905

Die Geschichte der Leinenweberei Hoffmann: von der Gründung 1905 bis zur Manufaktur von heute.

Tischwäsche aus Leinen: Tischdecken, Servietten und Läufer im Überblick Du liest Leinenweberei Hoffmann – Manufaktur seit 1905 4 Minuten

Neukirch/Lausitz, eine kleine Stadt in der sächsischen Oberlausitz. An der Zittauer Straße steht ein Gebäude, in dem seit über 120 Jahren dasselbe getan wird: Es wird Leinen gewoben. Die Webstühle laufen. Das Garn wird eingezogen. Jedes Stück verlässt die Manufaktur von Hand geprüft.

Die Leinenweberei Hoffmann ist eine der letzten mechanischen Leinenwebereien Deutschlands. Was dieses Unternehmen geprägt hat, wie es in schwierigen Zeiten bestanden hat und was es heute ausmacht: Das erzählen wir hier.

Gegründet 1905: Ein Unternehmen mit Wurzeln

Den Anfang machten der Fabrikant Karl-Gustav Schulze und der Kaufmann Martin Hoffmann. Sie gründeten das Unternehmen im Jahr 1905, von Beginn an spezialisiert auf Jacquardstoffe und Stickereien. Noch im selben Jahr bezog die Weberei ihren Standort an der Zittauer Straße in Neukirch, der bis heute der Firmensitz ist.

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Unternehmen von der Verstaatlichung verschont und fertigte fortan Reinleinen für Werften, Hotels und weitere Abnehmer. In den 1950er Jahren kamen Arbeitskleidung und Kinderhosenkonfektion dazu, später verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Bettwäsche.

Historischer Auftrag der Deutschen Bundespost – Postsäcke und Münzbeutel aus der Weberei Hoffmann – Leinenweberei Hoffmann

Neustart nach der Wende

Nach der Wiedervereinigung stand die Weberei vor dem Aus. Die Schließung schien unausweichlich. Dass es anders kam, verdankt sich einem glücklichen Umstand: Der Eintrag im Handelsregister war nie gelöscht worden, was 1994 die Rückführung des Unternehmens erst ermöglichte.

Mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nahm die Weberei die Produktion wieder auf. Ein Großauftrag der Bundespost sicherte den Neustart: Die Fertigung von Postsäcken und Münzbeuteln gab dem Betrieb die nötige Grundlage, um parallel auch Reinleinenbettwäsche und Bekleidung weiterzuführen.

Eine Herzenssache: Die Übernahme durch Familie Spitzke

Der jüngste Einschnitt in der Geschichte der Weberei war kein gewöhnlicher Eigentümerwechsel. Familie Spitzke kam ursprünglich als Kunde, auf der Suche nach hochwertiger Bettwäsche aus Leinen. Bei ihrem Besuch erfuhren sie vom damaligen Geschäftsführer, dass die Weberei vor der Insolvenz stand. Ein chinesischer Investor hatte bereits Interesse signalisiert, die Produktion sollte schrittweise nach China verlagert werden.

Das ließ Familie Spitzke keine Ruhe. Die Vorstellung, dass dieses Handwerk, dieser Standort, diese Tradition in Deutschland verloren gehen könnte, war Antrieb genug, selbst ein Übernahmeangebot zu machen. Es war keine rein kaufmännische Entscheidung, sondern eine Herzenssache.

Seither führt Gregor Spitzke das Unternehmen als Geschäftsführer. Der Fokus liegt auf dem, was die Weberei immer ausgezeichnet hat: Qualität, die man sieht und spürt. Und auf dem, was lange gefehlt hatte: einer Sichtbarkeit, die dieser Qualität gerecht wird.

Außenansicht der Leinenweberei Hoffmann in Neukirch/Lausitz – Manufaktur an der Zittauer Straße – Leinenweberei Hoffmann
Gregor und Andreas Spitzke, Geschäftsführung der Leinenweberei Hoffmann – Leinenweberei Hoffmann

Unsere Manufaktur: Vom Garn zum fertigen Produkt

Was uns von den meisten Textilanbietern unterscheidet, ist der vollständige Produktionsweg unter einem Dach. Weberei und Näherei sind am selben Standort ansässig. Vom ersten Faden bis zum letzten Stich bleibt alles in Neukirch.

Unsere Weber arbeiten an traditionellen Schützenwebstühlen, Greiferwebstühlen und modernen Jacquard-Maschinen. Jeder Arbeitsschritt wird kontrolliert. Nur Leinen, das unseren Qualitätsanforderungen entspricht, verlässt die Manufaktur.

Unser Garn kommt ausschließlich von europäischen Flachsgarnspinnereien. Die Wahl des Rohstoffs ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Entscheidung, die wir bewusst und konsequent treffen. Europäischer Flachs braucht keine künstliche Bewässerung, kommt in der Regel ohne Pestizide aus und liefert eine Faserqualität, die industriell gefertigte Alternativen nicht erreichen.

Individualität auf Bestellung

Ein besonderer Vorzug unserer Manufaktur ist die Möglichkeit zur Maßanfertigung. Tischdecken in Sondergrößen, Bettbezüge in Formaten wie 220×240 cm, Produkte mit Monogramm oder individueller Gestaltung: Was anderswo nicht möglich ist, gehört in Neukirch zu unserem Alltagsgeschäft.

Viele Stücke aus dem Standardsortiment werden erst nach Bestelleingang gefertigt. Kein Lager auf Vorrat, keine Massenproduktion. Das braucht etwas Zeit, ist aber die Grundvoraussetzung dafür, dass jedes Produkt unseren Ansprüchen genügt.

Was bleibt

Viele traditionelle Textilbetriebe in Deutschland haben in den letzten Jahrzehnten geschlossen. Die Leinenweberei Hoffmann ist noch da. Nicht weil sie die Entwicklung ignoriert hat, sondern weil das Wesentliche nie aus dem Blick geraten ist: ein Produkt zu fertigen, das ehrlich, haltbar und schön ist.

Leinen ist ein Material, das Zeit braucht. Es braucht Zeit bei der Produktion, der Verarbeitung und bei den ersten Wäschen. Wer sich darauf einlässt, bekommt dafür etwas zurück, das Baumwolle und Synthetik nicht bieten können: ein Textil, das mit jedem Jahr besser wird.

Daran arbeiten wir in Neukirch/Lausitz. Seit 1905.

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