Wasserknappheit wird in vielen Regionen der Welt zu einem zunehmend drängenden Thema. Die Textilindustrie spielt dabei eine größere Rolle, als vielen bewusst ist: Sie zählt zu den wasserintensivsten Industrien überhaupt. Wer beim Kauf von Bettwäsche, Tischwäsche oder Handtüchern auf den Wasserbedarf der verwendeten Faser achtet, leistet einen Beitrag zur Schonung dieser Ressource.
In diesem Beitrag werfen wir einen Blick darauf, wie viel Wasser Flachs im Anbau benötigt und wie der Wasserbedarf im Vergleich zu Baumwolle zu bewerten ist. Wir beziehen uns dabei auf Angaben anerkannter Quellen wie dem WWF und European Flax.
Eine Frage des Klimas: wo Flachs und Baumwolle wachsen
Der Wasserbedarf einer Faserpflanze hängt zu einem großen Teil davon ab, wo sie wächst. Flachs und Baumwolle gedeihen in sehr unterschiedlichen Klimazonen, und das erklärt schon einen wesentlichen Teil des Unterschieds beim Wasserverbrauch.
Flachs ist eine Pflanze des gemäßigten Klimas. Sie wächst traditionell in Belgien, Nordfrankreich und den Niederlanden. Diese Region bietet das, was Flachs braucht: ausreichende Luftfeuchtigkeit, gleichmäßige Niederschläge und milde Temperaturen über die Wachstumsperiode. Künstliche Bewässerung ist im Flachsanbau in dieser Region in der Regel nicht notwendig, weil der Niederschlag den Wasserbedarf deckt.
Baumwolle dagegen wächst in subtropischen und tropischen Regionen wie Indien, Pakistan, China, den USA, Brasilien und Usbekistan. Viele dieser Anbaugebiete sind von Natur aus trocken bis sehr trocken. Damit die Pflanze ausreichend Wasser bekommt, ist eine künstliche Bewässerung in den meisten Fällen erforderlich. Diese Bewässerung wird häufig aus Grundwasser oder Flüssen gespeist, was den Wasserhaushalt der jeweiligen Region zusätzlich belastet.
Der entscheidende Unterschied: grünes und blaues Wasser
Wenn vom Wasserverbrauch einer Pflanze die Rede ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Art des verwendeten Wassers. Fachleute unterscheiden zwei wesentliche Kategorien.
Als grünes Wasser wird das Regenwasser bezeichnet, das ohnehin auf das Feld fällt und von der Pflanze über den Boden aufgenommen wird. Dieses Wasser hätte den Boden auch ohne den Anbau erreicht, es belastet keine Wasservorräte.
Als blaues Wasser wird das Wasser bezeichnet, das aus Grundwasser, Flüssen oder Seen zur Bewässerung herangezogen wird. Genau hier liegt der ökologisch kritische Faktor, denn dieses Wasser fehlt anschließend an anderer Stelle im Naturkreislauf.
Im Anbau gilt: Flachs deckt seinen Wasserbedarf in der gemäßigten Klimazone weit überwiegend über grünes Wasser. Baumwolle dagegen ist in vielen Anbauregionen stark auf blaues Wasser angewiesen.
Was die Studien zeigen
Wer nach konkreten Zahlen sucht, stößt schnell auf eine breite Spanne. Das liegt daran, dass die Werte je nach Anbauregion, Bewässerungsmethode und Verarbeitung stark schwanken. Der WWF nennt für Baumwolle einen Wasserbedarf, der je nach Anbauland und Erhebung zwischen mehreren tausend und über zwanzigtausend Litern pro Kilogramm Faser liegen kann. European Flax weist für den europäischen Flachsanbau einen Wasserbedarf aus, der ein Bruchteil dieser Größenordnung beträgt.
Auch wenn die genauen Zahlen je nach Quelle variieren, ist die Richtung eindeutig: Der Anbau von Flachs benötigt deutlich weniger Wasser als der Anbau konventioneller Baumwolle. Wer Wert auf einen ressourcenschonenden Faserrohstoff legt, hat mit Leinen eine gute Wahl getroffen.
Ein weiterer Aspekt: der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
Neben dem Wasser spielt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eine Rolle für die ökologische Bewertung einer Faser. Auch hier bestehen Unterschiede. Der konventionelle Baumwollanbau ist erfahrungsgemäß auf einen vergleichsweise hohen Einsatz von Pestiziden angewiesen, weil die Pflanze in den Anbauregionen anfällig für Schädlinge ist. Der Flachsanbau in der gemäßigten Klimazone kommt nach Angaben der Brancheninitiative European Flax in der Regel mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln aus.
Eine wichtige Einordnung: Auch im Flachsanbau können Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Die genaue Praxis variiert je nach Landwirt, Region und Anbaujahr. Was sich sagen lässt, ist, dass der Bedarf an chemischen Hilfsmitteln im Flachsanbau typischerweise geringer ausfällt als im konventionellen Baumwollanbau.
Unser europäischer Flachs
In unserer Manufaktur in Neukirch in der Oberlausitz verarbeiten wir europäischen Flachs aus Belgien, Nordfrankreich und den Niederlanden. Damit unterstützen wir bewusst die Anbauregion, in der Flachs in seinem natürlichen Klima wächst und in der der Wasserbedarf der Pflanze weitgehend vom Niederschlag gedeckt wird. Auf Flachs aus weit entfernten oder klimatisch unpassenden Regionen verzichten wir.
Eine ressourcenschonende Faser allein macht zwar noch keine nachhaltige Bettwäsche, sie ist aber eine gute Grundlage. Wenn die Faser langlebig und strapazierfähig ist, wird sie über lange Zeit genutzt und muss seltener ersetzt werden. Das ist letztlich der wichtigste Beitrag, den ein Textil leisten kann: lange in Gebrauch zu bleiben.
Eine Übersicht über unsere Produkte aus europäischem Flachs finden Sie in unserem Online-Shop. Wer den Stoff vorab in der Hand halten möchte, kann eine Stoffprobe bestellen.
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