Bei welcher Temperatur darf ich meine Leinenprodukte waschen? Welches Waschprogramm nutze ich am besten? Und wie sieht es mit Weichspüler aus?
Gerade wenn Sie zum ersten Mal ein Textil aus Leinen gekauft haben, tauchen solche Fragen schnell auf. Dabei ist Leinen in der Pflege weit unkomplizierter, als viele denken. Wer ein paar Grundregeln beachtet, hat danach wenig zu bedenken.
In diesem Artikel geben wir Ihnen die wichtigsten Pflegetipps aus über 120 Jahren Erfahrung mit, damit Ihre Leinentextilien lange schön bleiben und mit jeder Wäsche ein bisschen besser werden.

Die richtige Temperatur beim Leinen waschen
Das ist die Frage, die uns am häufigsten gestellt wird, und die Antwort ist relativ unkompliziert:
Weißes Leinen verträgt hohe Temperaturen sehr gut. Sie können weiße Leinentücher aus Reinleinen oder Halbleinen theoretisch bis 95 °C waschen. Für den normalen Gebrauch ist das allerdings nicht nötig. Häufiges Kochwaschen bei sehr hohen Temperaturen kann weißes Leinen mit der Zeit noch aufhellen, weshalb wir für den Alltag 60 °C empfehlen. Das ist in der Regel völlig ausreichend, um Küchenfette, Bakterien und normale Verschmutzungen sicher zu entfernen.
Naturfarben, Creme und farbige Leinentextilien sollten bei maximal 60 °C gewaschen werden. Verwenden Sie dabei unbedingt ein Waschmittel ohne optische Aufheller, da diese die natürliche Gewebefarbe ausbleichen.
Leinen waschen bei 60 Grad ist also für den weitaus größten Teil Ihrer Haushaltswäsche die richtige Wahl. Ein Waschgang bei niedrigeren Temperaturen von 30 bis 40 °C bietet sich an, wenn Sie auf Nummer sicher gehen möchten, etwa bei empfindlicheren Strukturen oder beim allerersten Waschen.
Welches Programm und welches Waschmittel?
Für die Maschinenwäsche eignet sich ein normales Bunt- oder Pflegeleicht-Programm. Füllen Sie die Waschmaschinentrommel dabei nur leicht, damit sich die Wäsche frei im Wasser bewegen kann. Wenn Ihre Maschine über eine Wasser-Plus-Taste verfügt, nutzen Sie diese ruhig.
Beim Waschmittel gilt: ein mildes Waschmittel ohne Bleichmittel oder optische Aufheller. Für weiße Leinentextilien ist ein klassisches Vollwaschmittel geeignet, für naturfarbene und farbige Textilien ein Colorwaschmittel. Im Fachhandel sind auch spezielle Leinenwaschmittel erhältlich, die besonders faserschonend formuliert sind.
Richtig schleudern: Weniger ist mehr
Nach dem Waschen sollten Sie darauf achten, Leinenwäsche nicht zu stark und nicht zu lange zu schleudern. Die Faser braucht eine ausreichende Restfeuchte, damit sie sich beim Trocknen und Bügeln gut in Form bringen lässt. Als Richtwert gelten maximal 600 Umdrehungen pro Minute. Stärkeres Schleudern entzieht der Faser zu viel Feuchtigkeit, macht das spätere Bügeln aufwendiger und kann vor allem die Gewebeoberfläche durch zu intensive mechanische Bewegung langfristig beeinträchtigen.
Nehmen Sie die Wäsche direkt nach dem Schleudern aus der Maschine, schütteln Sie die Stücke gut aus und ziehen Sie sie glatt, bevor Sie sie aufhängen.

Läuft Leinen beim Waschen ein?
Es kann vorkommen, dass das natürliche Leinengewebe nach der ersten Wäsche etwas einläuft. Der sogenannte „Krumpfwert" beträgt bei Leinentextilien in der Regel zwischen 3 und 6 Prozent. Ab der zweiten oder dritten Wäsche stabilisiert sich das Material und es ist kaum noch Einlauf zu erwarten.
Was das für Sie in der Praxis bedeutet: Wir produzieren unsere Tücher von vornherein etwas größer, weil wir dieses Einlaufen von Anfang an einkalkulieren. Nach der ersten Wäsche sollten Ihre Produkte also genau die Maße haben, für die sie gedacht sind.
Leinen trocknen: Luft statt Trockner
Den Wäschetrockner sollten Sie für Leinentextilien grundsätzlich vermeiden. Zu hohes Trocknerklima beschädigt die Leinenfaser, kann zu starkem Einlaufen führen und hinterlässt Knitterfalten, die sich kaum noch entfernen lassen.
Die bessere Alternative ist das Trocknen an der frischen Luft, auf einer Leine oder einem Wäscheständer. Dank der natürlichen Feuchteabgabe von Leinen trocknet die Wäsche dort übrigens ausgesprochen schnell.
Gefärbte Textilien sollten Sie dabei nicht dem direkten Sonnenlicht aussetzen, da die UV-Strahlung die Farben ausbleichen kann.
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Bügeln und Mangeln – der Feinschliff
Leinen kann nach der Wäsche etwas knittrig aus der Waschmaschine kommen. Das ist jedoch kein Fehler oder ein Zeichen von mangelnder Qualität, sondern eine ganz natürliche Eigenschaft von Leinen. Dennoch lässt sich das Knittern nach dem Waschen auf ein angenehmes Maß reduzieren, und der entscheidende Moment dafür liegt unmittelbar nach dem Trocknen.
Nehmen Sie die Wäschestücke von der Leine, wenn sie noch leicht feucht sind, und bügeln Sie sie sofort auf heißer Stufe. Ist das Gewebe erst einmal komplett trocken, lässt es sich deutlich schwieriger glätten. Ein Dampfbügeleisen ist dafür ideal, da es verhindert, dass das Textil während des Bügelns austrocknet. Alternativ befeuchten Sie trockene Stücke vor dem Bügeln leicht, zum Beispiel mit einer Sprühflasche.
Wer auf das Bügeln ganz verzichten möchte, dem sei das Kalt-Mangeln empfohlen. Es ist eine der ältesten und gleichzeitig schonendsten Methoden, Leinenwäsche zu glätten, und erlebt heute eine kleine Renaissance. Beim Kalt-Mangeln wird die noch feuchte Wäsche unter hohem Druck durch eine Maschine gezogen, die ähnlich wie eine Druckwalze funktioniert. Das Ergebnis ist eine glatte, gleichmäßige Oberfläche, und das bei einem Bruchteil des Energieverbrauchs eines Bügeleisens: Elektrische Kalt-Mangeln benötigen rund 90 bis 100 Watt, ein Bügeleisen dagegen etwa 1.200 Watt.
Leinen weich bekommen: Ist Weichspüler erlaubt?
Weichspüler sollten Sie bei Leinentextilien grundsätzlich nicht verwenden. Handelsübliche Weichspüler legen einen Film auf die Fasern, der die natürliche Saugfähigkeit von Leinen beeinträchtigt. Gerade bei Geschirrtüchern, Gläsertüchern und Handtüchern, deren Hauptaufgabe das Aufnehmen von Feuchtigkeit ist, wäre das kontraproduktiv. Die charakteristische Griffigkeit von Leinen ist kein Makel, sondern ein Qualitätsmerkmal, das sich mit jeder Wäsche von selbst weiterentwickelt.
Was Sie nach ein paar Wäschen bemerken werden
Echtes Leinen verändert sich mit jeder Wäsche zum Besseren. Was nach dem ersten Waschen noch etwas fest wirkt, wird nach und nach weicher, geschmeidiger und angenehmer. Die Farben bei weißem Leinen wirken frischer, die Fasern legen sich enger zusammen und das Gewebe bekommt einen gleichmäßigeren Fall. Wer sich einmal auf diesen Prozess einlässt, wird verstehen, warum gut gepflegte Leinentextilien von Generation zu Generation weitergegeben wurden.
Wir weben unsere Produkte seit über 120 Jahren mit genau diesem Versprechen. Ein hochwertiges Stück Leinen ist keine Anschaffung für eine Saison, sondern für ein Leben lang.
Haben Sie Fragen zu einem konkreten Produkt aus unserem Haus?
Die genauen Pflegehinweise finden Sie auf dem beiliegenden Pflegeetikett. Wir beraten Sie auch gerne direkt – schreiben Sie uns.
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